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24 Stunden in Kelheim - Zwischen Euphorie, Existenzkrise und Endorphinen

Vier Jahre ist es her, dass ich das letzte Mal an der Startlinie des Race24 Kelheim stand. Vier Jahre, in denen einiges passiert ist. Nach meinem letzten Auftritt in Kelheim 2022 brauchte ich erstmal Abstand. Nicht, weil ich dieses Rennen nicht geliebt hätte – ganz im Gegenteil. Aber manchmal braucht man einfach eine Pause von den ganz langen Geschichten.

In der Zwischenzeit hatte sich mein sportlicher Fokus erstmal in eine andere Richtung verschoben. Ich war viel im Laufsport unterwegs, habe dort neue Herausforderungen gesucht und mich ordentlich aus meiner Komfortzone bewegt.

Aber irgendwann fing es wieder an zu kribbeln.

 

Dieses ganz spezielle Kribbeln, das man vermutlich nur versteht, wenn man freiwillig auf die Idee kommt, 24 Stunden lang im Kreis Fahrrad zu fahren. Ein bisschen verrückt muss man dafür wahrscheinlich schon sein. Und so kam irgendwann der Gedanke:"Warum eigentlich nicht nochmal Kelheim?" Nicht unbedingt, um irgendjemandem etwas zu beweisen. Vor allem wollte ich es mir selbst zeigen. Ich wollte wissen, was nach den Jahren Pause noch möglich ist. Und wenn ich schon zurückkomme, dann richtig.

Also wurde der Fokus wieder auf meine große Leidenschaft gelegt: Ultradistanz-Radfahren.

 

Vorbereitung: So gut vorbereitet war ich noch nie

 

Ab Februar drehte sich bei mir vieles um lange Strecken. Während andere am Wochenende gemütlich ihre Runde drehen, wurde bei mir der Begriff "Sonntagstour" irgendwann etwas großzügiger interpretiert. 200 Kilometer am Wochenende wurden fast schon zur Normalität. Einfach Kilometer sammeln. Den Körper daran gewöhnen, lange Zeit im Sattel zu sitzen. Nicht nur die Beine trainieren, sondern auch den Kopf. Denn bei solchen Rennen entscheidet irgendwann nicht mehr nur die Fitness. Irgendwann geht es darum, wie gut man damit klarkommt, wenn es unbequem wird.

 

Zwei Monate vor dem Race24 Kelheim wurde es dann richtig spezifisch. Ich fuhr eine Nonstop-Tour über 650 Kilometer in 28 Stunden. Nicht, weil ich unbedingt wissen wollte, wie schön die Welt nachts um drei Uhr auf einem Fahrrad aussieht – sondern weil genau das später im Rennen gefragt sein würde: Weiterfahren, obwohl der Körper eigentlich schlafen möchte. Dazu kam noch eine Bikepacking-Tour mit 1.100 Kilometern in fünf Tagen und zahlreiche weitere lange Fahrten mit 200, 300 oder noch mehr Kilometern.

Zusätzlich gab es Kraftausdauertraining bei uns im schönen Südschwarzwald. Der Kelheimer Rundkurs ist zwar kein Alpenpass, aber dieser eine lange Anstieg kommt in 24 Stunden oft genug vorbei, dass man ihn irgendwann persönlich kennt. Und er kennt einen dann auch. Mein Ziel war klar: Ich wollte die Härte haben, auch nach vielen Stunden noch vernünftig über diesen Berg zu kommen.

Und ich muss sagen: Ich hatte das Gefühl, noch nie so gut vorbereitet gewesen zu sein.

 

Die Woche vor dem Rennen: Checklisten, Einkaufswagen und die große Packorgie

 

Ein Rennen wie das Race24 Kelheim beginnt nicht am Samstag um 14 Uhr mit dem Startschuss. Eigentlich beginnt es schon deutlich früher. Eine Woche vorher wurde die große Checkliste ausgepackt. Was brauchen wir? Was brauchen meine Betreuer? Was brauche ich auf dem Rad? Denn ein 24-Stunden-Rennen fährt man zwar alleine – aber man bestreitet es definitiv nicht alleine.

 

Meine Betreuer würden ebenfalls einen langen Tag und eine lange Nacht vor sich haben. Also musste natürlich auch dafür gesorgt werden, dass es ihnen gut geht. Essen, Getränke, Snacks, Kaffee – alles, was Menschen brauchen, die freiwillig dabei helfen, einen anderen Menschen 24 Stunden lang auf einem Fahrrad am Leben zu halten. Bei meiner eigenen Verpflegung hatte ich über die Jahre gelernt, was funktioniert und was nicht.

 

Gels und Riegel gibt es bei mir eher als Notfallreserve. Ansonsten setze ich lieber auf normale, gut verträgliche Lebensmittel: leicht verdauliche Kohlenhydrate, Sachen, die der Magen auch nach vielen Stunden noch akzeptiert. Denn irgendwann ist der Kopf vielleicht noch motiviert – aber der Magen entscheidet einfach: "Nein. Heute nicht."

 

Also wurde eingekauft. Und eingekauft. Und irgendwann war das Auto voll. Sehr voll. Neben sämtlicher Ausrüstung musste schließlich auch noch eine große Kühlbox mit. Die Wettervorhersage versprach nämlich: heiß, heißer, Kelheim. Dieses Jahr hatte ich deshalb zum ersten Mal kleine Kühlpacks dabei. Nicht nur für kalte Getränke, sondern auch für den Körper. Die Idee war, bei Bedarf etwas Kühlung in den Nacken zu bekommen und die Hitze zumindest ein bisschen auszutricksen. Dazu kamen zwei Fahrräder:

Mein Arc8 Escapee, mit dem ich das Rennen bestreiten wollte. Und mein Ersatzrad, das Felt AR FRD mit guten, alten Felgenbremsen. Dieses hatte die Strecke inzwischen fast besser kennengelernt als manche Teilnehmer. Ein alter Hase also. Als wir am Freitagmittag schließlich losfuhren, war das Auto bis unters Dach voll. Es sah weniger nach einem Wochenendausflug aus und mehr nach einem kleinen mobilen Radsportlager.

 

Kelheim – warum dieses Rennen etwas Besonderes ist

 

Wer das Race24 Kelheim nicht kennt, fragt sich vermutlich irgendwann: "Warum macht man sowas eigentlich?" 24 Stunden auf einem 15,6 Kilometer langen Rundkurs mit etwa 180 Höhenmetern. Immer wieder derselbe Anstieg. Immer wieder dieselbe Abfahrt. Klingt erstmal nicht unbedingt reizvoll. Aber genau deshalb ist Kelheim anders.

Ich kenne kaum ein Rennen, das mit so viel Herzblut organisiert wird. Der RSC Kelheim stellt hier jedes Jahr ein Event auf die Beine, bei dem man spürt, wie viel Arbeit und Leidenschaft dahintersteckt. Die ganze Stadt lebt dieses Wochenende.

 

Schon am Vortag stehen Buden, Essenstände und das riesige Bierzelt mitten auf dem Marktplatz. Die Atmosphäre ist eher Volksfest als klassischer Radwettkampf. Und dann ist da die Atmosphäre an der Strecke. Überall stehen Menschen. Sie feuern jeden an. Egal ob Spitzenfahrer, Hobbyfahrer oder jemand, der nachts um drei Uhr aussieht, als hätte er gerade einen Streit mit seinem eigenen Fahrrad verloren. Gerade nachts ist das unglaublich. Diese Menschen tragen einen förmlich über die Strecke. Und genau deshalb kommt man immer wieder.

 

Ankommen in Kelheim: Pizza, Eis und das Gefühl, dass es jetzt wirklich losgeht

 

Am Freitagmittag ging es dann endlich Richtung Kelheim. Nach der langen Vorbereitung, den vielen Trainingskilometern und der ganzen Organisation war jetzt der Moment gekommen, an dem aus dem Plan langsam Realität wurde. Wir kamen am frühen Abend an, checkten schnell im Hotel ein und machten uns dann direkt auf den Weg in die Stadt, um die Startunterlagen abzuholen. Und natürlich musste auch noch eine wichtige Frage geklärt werden: Was gibt es als letzte Mahlzeit vor einem 24-Stunden-Rennen? Die Antwort war eigentlich klar. Pizza. Keine Experimente. Keine verrückten Ernährungsexperimente am Abend vor dem Rennen. Einfach etwas, das funktioniert und glücklich macht.

 

Und genau dafür ist Kelheim am Vorabend schon perfekt. Die Stadt war bereits voller Leben. Überall Menschen, überall Radsport, überall diese besondere Vorfreude. Ein bisschen fühlte es sich an wie der Abend vor einem großen Fest. Oder wie der Abend vor einer ziemlich absurden Idee. Je nachdem, aus welcher Perspektive man es betrachtet.

 

Unser guter Freund Kai Saaler, der selbst im 24-Stunden-Rennzirkus einen Namen hat, hatte spontan ebenfalls noch einen Startplatz ergattert. Zusammen mit seiner Frau Tamy war er dementsprechend auch vor Ort. Also wurde aus dem Abend nicht nur ein Rennwochenende, sondern auch ein schönes Treffen unter Freunden. Pizza, Eis, gute und witzige Gespräche – eigentlich genau das, was man braucht, bevor man am nächsten Tag freiwillig 24 Stunden lang leiden geht. Trotzdem ging es relativ früh ins Bett. Denn so schön die Vorfreude auch war: Am nächsten Tag würde der Wecker klingeln. Und dann würde es ernst werden.

 

Frühstück ohne Überraschungen

 

Am nächsten Morgen stand erstmal Frühstück auf dem Programm. Nach einer schlechten Erfahrung bei einem früheren Start hatte ich diesmal vorgesorgt. Damals hatte ich offenbar etwas erwischt, das mein Magen überhaupt nicht lustig fand. Das Ergebnis: Nach zwei Runden war notgedrungen Schluss. Ein 24-Stunden-Rennen nach zwei Runden abzubrechen, weil Darm und Magen rebellieren, ist eine Erfahrung, auf die man verzichten kann. Also gab es diesmal Sicherheit. Eigenes Frühstück. Porridge. Bewährt. Langweilig. Perfekt.

 

Während andere sich am Frühstücksbuffet durchprobierten, rührte ich mir mein eigenes Essen zusammen. Bei einem Rennen über 24 Stunden gewinnt nicht unbedingt derjenige, der die spannendsten Entscheidungen trifft – manchmal gewinnt einfach derjenige, der keine dummen Fehler macht. Danach ging es los zum Camp.

Und dort wartete schon die nächste wichtige Mission: Unser Zuhause für die nächsten Stunden musste aufgebaut werden.

 

Das kleine Kelheimer Zuhause

 

Glücklicherweise hatte uns Matthias bereits im Vorfeld einen Platz organisiert. Und das war Gold wert. Die Reservierung der Lagerflächen startet bereits am Dienstag vor dem Rennen. Wer also von weiter weg anreist und nicht rechtzeitig plant, landet schnell irgendwo am Rand des Geschehens. Für einen Einzelstarter ist ein guter Platz aber enorm wichtig. Die Betreuer müssen schnell reagieren können. Flaschen, Essen, Materialwechsel – alles muss funktionieren. Lange Wege kosten Zeit und Nerven. Matthias hatte uns allerdings ein echtes Schmankerl gesichert - Danke dafür! Direkt an der Strecke, aber trotzdem ruhig gelegen. Quasi am Kanal, direkt dort, wo es nach der Brücke in den Anstieg ging. Perfekt.

 

Zusammen mit Kai und Tamy wurde dann das Camp aufgebaut. Und Kai hatte offensichtlich beschlossen, dass wir nicht einfach irgendwo lagern, sondern eine kleine Luxusstation eröffnen. Großer Pavillon. Genügend Klappstühle. Bodenmatte. Alles, was man braucht, wenn man mitten in einem 24-Stunden-Rennen plötzlich feststellt, dass ein Campingstuhl der größte Luxus der Welt sein kann.

Nach ungefähr zwei Stunden sah das Ganze tatsächlich richtig gemütlich aus. Alle Betreuer hatten Schatten. Das Material hatte seinen Platz. Und ich konnte mich nochmal kurz hinlegen. Nicht schlafen – das klappt bei mir vor solchen Rennen sowieso selten – aber einfach Augen schließen, runterfahren, ein bisschen dösen. Dazu: trinken. Viel trinken. Die Hitze war bereits deutlich spürbar und ich wollte mit einem gut gefüllten Flüssigkeitshaushalt ins Rennen gehen.

 

Natürlich kam dabei sofort wieder der nächste Gedanke: "Super. Jetzt trinke ich wie ein Weltmeister und muss während des Rennens wahrscheinlich alle fünf Minuten pinkeln." Auch so ein Thema, über das man beim Radsport irgendwann überraschend viel nachdenkt.

Vor allem, wenn man in einer Trägerhose steckt und jeder Toilettengang ungefähr ein kleines logistisches Projekt ist. Aber gut. Probleme für die Zukunfts-Maria. Jetzt stand erstmal der Start bevor.

 

Der Start: Zwischen Nervosität, Garmin-Drama und Vollgas-Modus

 

Irgendwann war es dann so weit. Die Uhr rückte Richtung 14 Uhr, die Sachen waren angezogen, die Flaschen vorbereitet und das Rad stand bereit.  Zusammen mit Kai rollte ich langsam Richtung Start. Wobei "langsam" vielleicht das falsche Wort ist, denn innerlich war ich natürlich alles andere als entspannt. Der Start war dieses Jahr etwas anders aufgebaut als in den Jahren zuvor und ich suchte erstmal kurz den richtigen Bereich. Aber irgendwann standen wir da. Um uns herum: jede Menge Fahrer. Die Spannung war spürbar.

 

Trotzdem war ich gar nicht böse, dass wir uns relativ weit hinten einsortiert hatten. Gerade am Anfang geht es bei den Teamfahrern oft richtig zur Sache. Die ersten Minuten sind ein großes Gerangel, jeder möchte gut positioniert sein, Gruppen finden und möglichst wenig Zeit verlieren. Als Einzelstarter ist das aber nicht unbedingt der Moment, in dem man sich blind in dieses Chaos werfen muss. Ich wusste: Mein Rennen dauert 24 Stunden. Nicht 24 Minuten.

 

Dieser Moment vor dem Start ist jedes Mal irgendwie besonders. Man hat monatelang trainiert, unzählige Kilometer gesammelt, sich Gedanken über jedes Detail gemacht – und dann steht man plötzlich da und denkt:"Okay. Jetzt gibt es eigentlich nichts mehr zu planen. Jetzt muss ich fahren." Wobei … ganz ohne kleine Dramen geht es natürlich auch nicht. Bei mir gehört offenbar ein bisschen Chaos kurz vor dem Start einfach dazu. Zuerst wollte sich mein Powermeter nicht vernünftig mit dem Garmin verbinden. Natürlich genau dann, wenn man eigentlich nur noch ruhig bleiben möchte. Und als wäre das nicht genug, entschied mein Garmin wenige Minuten vor dem Start, dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, sich noch spontan ein Update zu gönnen. Obwohl ich ihm vorher extra gesagt hatte:"Erinner mich später nochmal daran. Also bitte morgen um diese Zeit." Der Garmin dachte sich offenbar:"Später ist jetzt."

 

In einem normalen Moment wäre das eine Kleinigkeit gewesen. Vor einem 24-Stunden-Rennen, wenn man sowieso schon voller Adrenalin ist und im Kopf der komplette Ablauf millimetergenau geplant ist, fühlt sich sowas aber plötzlich an wie ein mittelschwerer Nervenzusammenbruch. Ich bin bei solchen Dingen tatsächlich ein kleiner Kontrollfreak. Nicht, weil ich keine spontanen Situationen abkann – ein 24-Stunden-Rennen besteht schließlich aus genug Dingen, die man nicht kontrollieren kann. Aber gerade deshalb versuche ich vorher möglichst viele Variablen auszuschalten. Wenn ich weiß:

  • Material passt,
  • Ernährung passt,
  • Ablauf passt,
  • Team weiß Bescheid,

dann kann ich mich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: Fahrrad fahren. Zum Glück beruhigte sich die Technik wieder rechtzeitig. Der Garmin überlebte sein Update. Der Powermeter fand sich wieder mit seinem Lebenssinn ab. Und ich konnte mich wieder auf das konzentrieren, worum es eigentlich ging. Dann kam der Countdown. Und mit einem lauten Knall fiel der Startschuss. Das Race24 Kelheim 2026 war eröffnet.

 

Die ersten Runden: Ein Statement setzen

 

Mein Plan war klar. Die erste Stunde wollte ich Vollgas fahren. Nicht komplett unkontrolliert ins Verderben stürzen – aber ich wollte ein Zeichen setzen. Ich wollte zeigen:"Ich bin wieder da." Nach vier Jahren Pause wollte ich nicht einfach schauen, was passiert. Ich wusste, dass ich eine richtig gute Form hatte. Ich wusste, wie viel Arbeit in den letzten Monaten steckte. Und ich wollte das auch auf der Strecke spüren. Bei den Frauen waren mit Kathi Stockbauer und Yvonne Margraf zwei extrem starke Fahrerinnen am Start. Gerade Kathi galt als absolute Topfavoritin. Mir war klar: Wenn ich eine Chance haben wollte, musste ich früh zeigen, dass ich nicht nur mitfahre.

 

Also ging es los. Die erste Runde? Fast 37 km/h Schnitt. Die zweite Runde? Auch wieder um die 36 km/h. Bei einem Rundkurs wie in Kelheim spielt natürlich auch die Dynamik des Feldes eine große Rolle. Gerade die Abfahrt und das wellige Stück zurück Richtung Stadt lassen sich in einer Gruppe deutlich effizienter fahren. Wenn man frisch ist, kann man diese Möglichkeiten nutzen. Und genau das tat ich. Ich fühlte mich stark. Sehr stark.

 

Der Moment, in dem ich plötzlich vorne war

 

Irgendwann in den ersten Runden kam ich mit Kathi zusammen. Wir fuhren ein Stück gemeinsam, wechselten ein paar Worte. Und dann kam dieser Anstieg. Der Anstieg, für den ich so oft trainiert hatte. Der Anstieg, bei dem ich wissen wollte, ob die ganze Vorbereitung funktioniert hat. Und tatsächlich konnte ich dort eine entscheidende Lücke reißen. Genau der Moment, den ich mir vorher ausgemalt hatte. Ich war vorne. Nicht irgendwann. Nicht nach vielen Stunden. Sondern früh im Rennen. Das Gefühl war unglaublich.

Nach all den Monaten Vorbereitung, den langen Fahrten, den schmerzenden Beinen und den vielen Stunden alleine auf dem Rad war da plötzlich diese Bestätigung: Es funktioniert.

 

Bei aller Euphorie gibt es bei einem 24-Stunden-Rennen aber auch immer diese kleinen Dinge, die perfekt funktionieren müssen. Bei mir war das zum Beispiel die Flaschenübergabe. Ich hatte bewusst nur einen Flaschenhalter am Rad. Gewicht sparen. Einfach halten. Eine Flasche hoch zum Berg nehmen, eine neue bekommen. So der Plan. Aber wenn diese Übergabe schiefgeht, ist das Problem plötzlich ziemlich groß. Dann fährt man weiter ohne Flüssigkeit oder verliert Zeit, weil jemand hinterherlaufen muss. Also hatten wir das vorher genau besprochen. Wo stehen die Betreuer? Wie möchte ich die Flasche gereicht bekommen? Was machen wir? Und tatsächlich: Es funktionierte perfekt. Das Team machte seinen Job. Ich konnte mich aufs Fahren konzentrieren.

 

Und dann meldete sich der Körper

 

Natürlich wäre es zu schön gewesen, wenn alles einfach perfekt weitergelaufen wäre. Aber ein 24-Stunden-Rennen wäre kein 24-Stunden-Rennen, wenn der Körper nicht irgendwann anfangen würde, eigene Vorschläge zu machen. Mein erstes Problem: Der Durst. Und zwar nicht der normale Durst nach einer harten Runde. Es war dieses Gefühl, als würde ich überhaupt nicht richtig Flüssigkeit aufnehmen können. Ich trank Runde für Runde. 500 Milliliter nach 500 Milliliter. Aber der Mund blieb trocken und klebrig. Durch das Iso-Pulver und das zusätzliche Salz wurde das Gefühl nicht unbedingt besser. Im Gegenteil. Dabei hatte ich permanent Flüssigkeit dabei. Das war mental schon nervig. Und dann kam noch etwas dazu: Mein Rücken.

 

Bis hierhin lief eigentlich alles genau nach Plan. Ich war schnell unterwegs, ich fühlte mich gut und hatte das Gefühl, dass ich zeigen konnte, warum ich die letzten Monate so viel investiert hatte. Aber ein 24-Stunden-Rennen interessiert sich nicht für Pläne. Irgendwann meldet sich der Körper. Und meiner hatte offenbar beschlossen:"So, jetzt reden wir mal über deinen Rücken." Schon einige Wochen vorher hatte ich mir beim Bücken irgendwie etwas eingeklemmt. Vermutlich keine dramatische Verletzung – aber so ein kleines, fieses "Da stimmt irgendwas nicht"-Problem, dass immer irgeendwie so ein bisschen präsent ist. Genau die Sorte, die man im Alltag eigentlich kaum bemerkt. Bis man 24 Stunden auf einem Fahrrad sitzt. Perfekter Zeitpunkt also. Ich hatte vorher noch alles versucht, um das Thema in den Griff zu bekommen. Dehnen, Kraftübungen, Beweglichkeitstraining.

 

Unter anderem war ich kurz vor dem Rennen auch noch bei einem Everesting dabei gewesen. Auch dort hatte ich gemerkt, dass der Rücken nicht ganz glücklich war. Aber ich dachte:"Das kriegen wir schon hin." Und tatsächlich hielt er am Anfang gut durch.

Bis plötzlich, während ich im Rennen Druck aufs Pedal brachte, der Rücken sagte:"Nein." Einfach nein.

 

Der Moment, in dem der Kopf sofort Drama macht

 

Und dann passierte etwas, das ich von mir leider nur zu gut kenne. Ein kleines Problem wird im Kopf plötzlich riesig. Der Rücken tat weh. Der Durst war da. Die Hitze war brutal. Und plötzlich kam dieser Gedanke:"Ganz ehrlich? Ich könnte jetzt auch einfach aufhören."

Nach zweieinhalb Stunden. Bei einem 24-Stunden-Rennen. Der Klassiker. Der Kopf macht aus einem kleinen Tief direkt eine komplette Katastrophe. Rational weiß man natürlich: Es ist erst ein Bruchteil des Rennens vorbei. Der Körper kann sich wieder fangen. Solche Phasen kommen und gehen. Aber in diesem Moment fühlt es sich eben anders an. Da sitzt man auf dem Fahrrad, schwitzt, hat Schmerzen und denkt sich: "Warum genau fand ich diese Idee nochmal gut?" Ich gebe zu: In solchen Momenten bin ich mental manchmal eine kleine Drama-Queen. Während andere vielleicht einfach stoisch weiterfahren, bin ich erstmal kurz davor, innerlich eine Kündigung an mein eigenes Hobby zu schreiben.

 

Zum Glück wurde es aber wieder besser. Ich begann, in den Abfahrten und schnellen Passagen bewusst Bewegung reinzubringen. Aufstehen. Rücken strecken nach links und rechts. Katzenbuckel. Hohlkreuz. Irgendwie alles ausprobieren, was die verspannte Muskulatur wieder etwas lockert. Es sah vermutlich nicht besonders elegant aus. Aber wenn man 24 Stunden fährt, verabschiedet man sich irgendwann sowieso von jeglicher Vorstellung, dabei noch besonders stilvoll auszusehen. Da geht es nur noch darum: Was hilft?

Einfach Machen.

 

Das Essen – oder besser gesagt: der Versuch davon

 

Nach vier Runden war eigentlich der Zeitpunkt gekommen, an dem wir mit der richtigen Rennverpflegung starten wollten. Über 1.000 Kalorien hatte ich laut Garmin bereits umgesetzt. Der Körper braucht Nachschub. Eigentlich. Das Problem: Ich konnte nicht. Mein Appetit war komplett verschwunden. Der Durst überlagerte alles. Ich hatte das Gefühl, wenn ich jetzt etwas esse, bleibt es einfach irgendwo im Hals stecken. Der erste Snack kam: Ein Stückchen Brioche-Zopf. Mit Butter und irgendeinem Aufstrich. Eigentlich genau mein Ding. In diesem Moment fühlte er sich aber eher an wie eine sportliche Mutprobe. Ich musste ihn regelrecht in mich hineinverhandeln.

 

Und meine Betreuer machten natürlich alles genau nach Plan. Jede Runde hing ein kleines Tütchen mit einer winzigen Portion Essen an der Flasche. Eine super Idee, die beiden bisherigen Rennen immer wunderbar funktionierte. Bis jetzt. Praktisch sammelte ich diese Tütchen einfach nur ein. Und schob sie vorne unter mein Trikot. Eine Runde. Zwei Runden. Drei Runden. Irgendwann hatte ich vorne unter dem Trikot eine komplette Snack-Sammlung. Es sah vermutlich aus, als hätte ich eine sehr spezielle Fahrrad-Speckfalte entwickelt. Eine Speckfalte aus ungegessenem Essen.

 

Irgendwann war Schluss. Bei der nächsten Übergabe habe ich die ganzen Tütchen entsorgt und meinen Betreuern zugerufen:"Macht mir erstmal nichts mehr zu essen." Nicht, weil ich nicht wusste, dass ich Energie brauche. Sondern weil mein Körper gerade einfach komplett verweigerte. Ich brauchte etwas Kaltes. Etwas mit Geschmack. Etwas mit Kohlensäure. Irgendwas, das diesen klebrigen Durst endlich wegmacht. Und da kam wieder Matthias ins Spiel.

 

Er stand mit seinem Camp an einem der vielen Party-Hotspots am Anstieg. Also fuhr ich vorbei und rief:

"Kann mir jemand eine kalte Cola bringen?" Keine zwei Sekunden später war Bewegung im Camp. Menschen sprangen auf.

Als hätte ich nicht nach einem Getränk gefragt, sondern nach einem medizinischen Notfall. Und dann bekam ich: eine Cola. Vielleicht einen halben Liter. Vielleicht auch mehr. Gefühlt war es jedenfalls eine ganze Badewanne voller Glück. Und das war unfassbar gut. Dieser erste Schluck. Kalt. Süß. Sprudelig. Nach Stunden mit Iso-Geschmack und Salz einfach der Himmel. Manchmal braucht es eben keine ausgeklügelte Sporternährung. Manchmal braucht es einfach eine Cola aus einem Maßkrug am Berg. Und plötzlich kamen die Lebensgeister zurück.

 

Die Führung und der MOment im Bierzelt

 

 

Trotz aller Probleme lief das Rennen weiterhin richtig gut. Und dann kam einer dieser Momente, die man nicht planen kann. Ich fuhr in Richtung Altstadt. Durch den Torbogen. Über das Kopfsteinpflaster. Richtung Bierzelt. Dieser Bereich ist sowieso schon einzigartig. Man fährt praktisch mitten durch die Party. Links und rechts Menschen. Musik. Moderation. Gänsehaut. Und plötzlich hörte ich den Moderator:"Und hier kommt unsere Mary – die Führende in der Damenwertung!" Ich dachte erstmal:"Moment. Was?" Das konnte doch nicht sein. Ich? Führende?

 

Dieser Moment hat mich komplett erwischt. Ich hätte fast heulen können. Nicht vor Schmerz. Sondern vor Glück. Denn genau dafür macht man solche Dinge. Für diese wenigen Sekunden, in denen man denkt:"Ja. Genau deshalb habe ich das alles gemacht." Und von da an kam es immer wieder. Runde für Runde:"Da kommt wieder Mary, unsere Führende!" Und jedes Mal war es wie ein kleiner Energieschub. Ich war beflügelt. Ich hatte gezeigt, dass ich hier nicht nur mitfahre. Ich war mittendrin.

 

Die erste Pause – Essen, Licht und Vorbereitung auf die Nacht

 

 

Wie vorher geplant, sollte zwischen acht und neun Uhr die erste richtige Pause kommen. Nicht, weil ich musste. Sondern weil die Nacht vorbereitet werden musste. Lichter von Lezyne montieren. Warnweste anbringen. Etwas Warmes essen. Und tatsächlich war das auch mein erster Toilettengang des Tages. Auch das ein kleiner Erfolg. Bei all dem Trinken hatte ich schon befürchtet, dass ich gefühlt jede Runde einen Zwischenstopp einlegen müsste. Aber mein Körper hatte offenbar andere Prioritäten.

 

 

Im Camp warteten dann meine Gnocchi. Endlich etwas Herzhaftes. Und tatsächlich bekam ich sie runter. Keine riesige Mengen. Aber immerhin. Patrick und Olaf machten derweil das Rad nachtauglich. Licht dran. Startnummer an die Warnweste. Alles vorbereiten. Nach knapp zehn Minuten war ich wieder unterwegs. Und dann begann der Teil, vor dem jeder 24-Stunden-Fahrer Respekt hat: Die Nacht.

 

Bei einem 24-Stunden-Rennen ist sie irgendwie der Endgegner. Nicht unbedingt, weil man nachts schlechter Fahrrad fährt. Nicht unbedingt, weil es kälter wird. Sondern weil plötzlich alles anders wird. Tagsüber trägt dich die Atmosphäre. Menschen an der Strecke. Musik. Moderation. Die Stadt. Die ganzen anderen Fahrer. Man ist Teil eines großen Ereignisses. Aber irgendwann verschwindet die Sonne. Und mit ihr verschwinden viele dieser Ablenkungen. Dann bleibt nur noch man selbst. Das Fahrrad. Die Strecke. Und die Gedanken.

 

 

Zum Glück lief es nach der ersten schwierigen Phase weiterhin erstaunlich gut. Ich hatte zwar gemerkt, dass die fehlende Energie langsam ihren Tribut forderte. Die Wattwerte am Berg gingen etwas runter. Der Körper war nicht mehr ganz so explosiv wie am Nachmittag. Aber es war noch absolut im Rahmen. Ich konnte weiterfahren. Ich war weiterhin konkurrenzfähig. Und vor allem:

 

Ich war immer noch im Rennen. Das Essen war zwar weiterhin schwierig. Aber immerhin hatte ich die Gnocchi-Pause gehabt und damit zumindest etwas Ordentliches im Tank. Der Durst blieb allerdings. Dieses Thema begleitete mich weiter. Und irgendwann wurde aus dem Gedanken:"Ich habe Durst." eher ein völlig frustriertes:"Warum habe ich eigentlich seit Stunden DURST?" Aber gut. Man nimmt ja nicht an einem 24-Stunden-Rennen teil, weil alles angenehm ist.

 

zwischen frieren und schwitzen

 

Als es dunkel wurde, stand die nächste Entscheidung an: Was ziehe ich an? Eigentlich eine einfache Frage. In einem normalen Leben. Bei einem normalen Fahrradabend. Aber beim Race24 Kelheim ist nichts normal. Bergauf war es weiterhin warm. Richtig warm. Wenn ich zu viel anzog, würde ich am Anstieg komplett überhitzen. Also entschied ich mich: Nur Armlinge. Keine Weste. Keine zusätzliche Schicht. Der Gedanke dahinter: Lieber die Wohlfühltemperatur ans bergauf fahren anpassen, als eventuell völlig durchgeschwitzt und durchnässt in die kalte Abfahrt zu kommen. Und es funktionierte einigermaßen. Obwohl die Abfahrten irgendwann richtig unangenehm wurden. Der Körper ist einfach ein sehr kompliziertes System.

 

Kurz nach Mitternacht machte ich dann nochmal eine kurze Pinkelpause. Nicht im schicken Klowagen. Sondern klassisch: Wald.

24-Stunden-Rennen eben, praktisch muss es sein. Danach ging es wieder los. Ich wollte eine Gruppe erwischen. Wie immer im Rennen:

Windschatten suchen. Kräfte sparen. Nicht unnötig Energie verschenken. Aber plötzlich fühlte sich etwas komisch an. Das Fahrrad. Irgendwie schwammig. Nicht direkt dramatisch. Aber dieses Gefühl kennt jeder Radfahrer:"Irgendwas stimmt hier nicht." Natürlich beginnt dann sofort das Kopfkino. Ist der Reifen platt? Ist etwas kaputt? Bilde ich mir das nur ein? Also fuhr ich erstmal weiter. Bis zur Altstadt. Bis zum Kopfsteinpflaster. Und da kam die Antwort. Hinten war die Luft raus. Nicht komplett. Aber genug. Ein schleichender Plattfuß, mitten in der Nacht. Perfekter Zeitpunkt.

 

Der Platten: Minuten, die sich wie eine Ewigkeit anfühlen

 

Ich fuhr trotzdem noch über das Kopfsteinpflaster. Halb platt. Nicht unbedingt eine Empfehlung für Material und Rücken, aber irgendwie ging es. Aus der Altstadt heraus sah ich schon unser Camp. Also brüllte ich: "Platten!" Und sofort ging die Maschinerie los. Olaf und Patrick waren direkt unterwegs. Genau deshalb sind Betreuer bei so einem Rennen unbezahlbar. Während man selbst noch versucht, irgendwie klarzukommen, laufen andere schon los und lösen Probleme. Dann begann allerdings kurz das Chaos. Der Transponder. Dieses kleine Ding, das die Runden zählt. Normalerweise kein großes Thema, zwei Kabelbinder durchknipsen und die Sache ist erledigt. Außer Maria hat es sicherheitshalber zusätzlich noch mit Isoband befestigt. Und außer es ist mitten in der Nacht. Und außer dein Gehirn arbeitet gerade eh nur noch ungefähr auf 20 Prozent Leistung.

 

Jede Sekunde fühlte sich an wie eine Minute. Letztendlich bekamen wir es natürlich hin, wahrscheinlich schneller, als es mir vorkam. Transponder aufs Felt. Licht wechseln. Weiterfahren. Aber die Aktion kostete halt Zeit. Bei einem Rennen, in dem jede Runde zählt, fühlt sich das plötzlich riesig an.

 

Dann kam mein Ersatzrad zum Einsatz. Und tatsächlich: Ich war fast ein bisschen glücklich darüber. Dieses Fahrrad hatte die Strecke schließlich schon mehrfach erlebt. Ein alter Bekannter. Und es fühlte sich sofort gut an. Kurz dachte ich sogar:"Eigentlich könnte ich damit jetzt einfach weiterfahren." Aber ein entscheidender Unterschied: Keine Aero-Auflieger. Und gerade im flachen Rückweg nach Kelheim machen die einen großen Unterschied. Also war klar: Das Racebike muss wieder zurück. In der nächsten Runde meldete ich mich schon von weitem:"Rad fertig?"

 

Und wieder ging die Crew ans Werk. Transponder zurück (diesmal ohne Isoband). Licht zurück. Alles wieder umbauen. Dann die entscheidende Frage: Haben wir die Ursache für den Platten gefunden? Die Antwort: Nein. Aber sie hatten direkt einen neuen Mantel montiert. Und das war im Nachhinein vermutlich die beste Entscheidung des gesamten Abends. Denn nach dem Rennen stellte sich heraus: Im alten Mantel steckte ein winziger Metallsplitter. So klein, dass man ihn kaum bemerkte. Nur wenn man ganz vorsichtig mit den Fingern an der Innenseite entlangging, fühlte man ihn. Wenn wir also nur den Schlauch gewechselt hätten? Wäre ich vermutlich eine Runde später wieder mit einem Platten dagestanden. Chapeau an mein Team. Genau solche Entscheidungen machen den Unterschied.

 

Halb zwei nachts: Der Moment, in dem alles wieder infrage gestellt wird

 

Aber so ein Zwischenfall kostet nicht nur Zeit. Er kostet auch mental. Die Ruhe war zurückgekehrt. Das Bierzelt war fast leer. Nur noch eine kleine Gruppe Feierwütiger hielt tapfer die Stellung und kämpfte gröhlend gegen die Nacht. Die Moderation war weg. Die große Bühne war leer. Und ich wusste nicht einmal genau, wie die Platzierung aussah. Ich fuhr einfach. Aber dann kamen sie wieder. Die Rückenschmerzen. Die Müdigkeit. Der Gedanke: "Das ist gerade verdammt schwer." Und dann schaute ich auf die Uhr. Halb zwei. Noch nicht einmal Halbzeit. Und plötzlich fühlte sich das Rennen riesig an."Wie soll ich das noch zwölf Stunden machen?"

 

Es war also nicht irgendwann kurz vor dem Ziel. Nicht in der letzten Stunde. Nicht einmal annähernd. Es war einfach mitten in der Nacht. Und genau da kam dieser Moment, den ich von solchen Rennen mittlerweile kenne. Der Moment, an dem der Kopf plötzlich sagt:"Nein." Nicht der Körper. Nicht die Beine. Der Kopf. Denn rein objektiv lief es ja gar nicht schlecht. Ich fuhr noch. Ich war noch konkurrenzfähig. Ich hatte ein Team, das sich kümmerte. Aber plötzlich war da dieses Gefühl: Alles ist schwer. Alles nervt. Der verdammte Rücken tut weh. Ich bin müde. Und vor allem:"Es ist noch so unfassbar lange." Das ist das Gemeine an einem 24-Stunden-Rennen. Wenn man nach zehn Stunden denkt: "Ich habe noch 14 Stunden vor mir" klingt das nicht wie eine Herausforderung. Das klingt wie eine Drohung.

 

Da stand Patrick mit meiner Flasche am Streckenrand. Und normalerweise läuft so eine Übergabe ab: Flasche greifen. Weiterfahren. Effizient. Keine Zeit verlieren. Aber diesmal nicht. Diesmal blieb ich stehen. Ich hatte einfach das Bedürfnis, einmal kurz alles rauszulassen. Ich erzählte ihm von meinem Rücken. Dass ich müde bin. Dass es gerade einfach richtig schwer ist. Und ja … dass ich eigentlich aufhören möchte.

 

Die berühmte Ultra-Krise

 

Zum Glück kennt Patrick mich mittlerweile gut genug. Er wusste vermutlich schon, bevor ich überhaupt fertig geredet hatte, was jetzt passiert. Denn genau diese Situation kenne ich. Bei jedem langen Rennen. Irgendwann kommt dieser Punkt. Dieser absolute Tiefpunkt. Der Moment, in dem der Kopf einem erzählt, dass Aufhören eigentlich die vernünftigste Entscheidung wäre. Und genau dann braucht man manchmal jemanden, der von außen draufschaut. Patrick machte also das, was gute Betreuer machen: Er ließ mich kurz jammern. Aber nicht zu lange. Er massierte mir den Rücken. Er hörte mir zu. Und dann kam ungefähr die Botschaft:

"Du kennst diesen Moment doch. Das ist genau der Zeitpunkt im Rennen, an dem du immer keine Lust mehr hast. Das gehört dazu. Jetzt steigst du wieder aufs Rad und fährst weiter." Und ja. Er hatte recht. Leider.

 

Es ist schon irgendwie verrückt. Während man in solchen Momenten selbst denkt:"Diesmal ist es wirklich anders. Diesmal geht es wirklich nicht." weiß das Umfeld manchmal schon:"Doch. Genau das sagst du jedes Mal." Und genau dafür braucht man sein Team. Nicht, weil sie einem die Schmerzen wegnehmen können. Nicht, weil sie plötzlich neue Beine zaubern. Sondern weil sie in den Momenten, in denen der eigene Kopf komplett unzuverlässig wird, die Realität wieder herstellen.

 

Nach dieser Pause änderten wir dann auch nochmal die Verpflegung. Statt Iso kam etwas anderes in die Flaschen: Red Bull. Mit Wasser gemischt. Die wissenschaftlich vermutlich nicht ganz perfekte, aber in diesem Moment sehr effektive Lösung. Der Körper wollte nicht mehr. Der Kopf wollte schlafen. Also gab es eben ein bisschen Unterstützung von außen. Und die brauchte ich auch. Denn die Müdigkeit war brutal. Diese Art von Müdigkeit, die man nur kennt, wenn man lange wach ist und gleichzeitig körperlich arbeitet. Irgendwann begann ich, mit mir selbst kreative Methoden zu entwickeln, um wach zu bleiben. Zum Beispiel: Mir selbst eine Ohrfeige geben. Oder in den Oberschenkel kneifen.

 

Ja. Wenn man das im normalen Alltag erzählen würde, würde wahrscheinlich jeder erstmal fragen:"Alles okay bei dir?" Aber nachts um drei auf einem Fahrrad mit fast 14 Stunden Rennen in den Knochen erscheint das plötzlich wie eine ziemlich logische Strategie.

Der Gedanke dahinter war simpel: Kurz Schmerz erzeugen. Adrenalin bekommen. Wieder fokussieren. Denn irgendwann wird Müdigkeit nicht mehr nur unangenehm. Sie wird gefährlich.

 

Der Kampf gegen die Sekunden, in denen man nicht mehr ganz da ist

 

Das Problem bei extremer Müdigkeit: Man merkt manchmal selbst gar nicht mehr genau, wie schlecht man eigentlich dran ist. Man fährt in einer Gruppe. 50, 60 km/h. Das Licht der anderen Fahrräder vor einem. Die Strecke zieht vorbei. Und dann gibt es diese winzigen Momente. Diese Sekunden, in denen die Augen vielleicht einen Tick zu lange geschlossen sind. Diese Sekunden, in denen der Kopf kurz wegdriftet. Und genau da hört der Spaß auf. Denn man sitzt nicht alleine irgendwo auf einem Feldweg. Man ist Teil einer Gruppe. Man trägt Verantwortung. Also hieß es: Weiterkämpfen. Konzentrieren. Wach bleiben. Irgendwie bis zum Morgen kommen.

 

Und dann passierte etwas, worauf man die ganze Nacht wartet. Kurz nach vier Uhr. Die ersten Anzeichen. Ein kleiner heller Streifen am Horizont. Die Dämmerung. Und obwohl objektiv noch nichts geschafft war, fühlte es sich an wie ein Sieg. Denn jeder Langstreckenfahrer weiß: Die Nacht ist der härteste Gegner. Nicht die Kilometer. Nicht der Berg. Die Nacht. Und plötzlich wusste ich: Ich habe sie überstanden. Der schlimmste Teil ist vorbei.

 

Um sechs Uhr endete dann auch die Licht- und Warnwestenpflicht. Für mich war klar: Nochmal kurz ins Camp. Essen. Aufwärmen. Neue Energie sammeln. Und da gab es den Klassiker: Grießbrei. Flüssig. Warm. Mit Honig. Perfektion in einer Plastikschüssel. Nach all den Stunden, in denen normales Essen schwierig gewesen war, war das genau das Richtige. Man konnte es fast trinken. Der Magen musste kaum arbeiten. Und trotzdem kamen ordentlich Kalorien rein. Es war keine lange Pause. Kein gemütliches Frühstück. Einfach: Rein. Essen. Weiter geht's.

 

Und dann kam die Nachricht: Platz zwei

 

Während der Nacht hatte ich gar nicht wirklich mitbekommen, was vorne passiert war. Irgendwann hatte mich Theresa überholt. Ich hatte es gar nicht registriert. Wahrscheinlich während einer meiner Problemphasen. Vielleicht beim Platten. Vielleicht beim mentalen Tiefpunkt. Auf einmal war ich nicht mehr Führende. Sondern Zweite. Und natürlich war der erste Gedanke:"Mist." Aber gleichzeitig wusste ich: Acht Stunden sind bei einem 24-Stunden-Rennen eine Ewigkeit. In acht Stunden kann alles passieren. Jeder kann einen guten oder schlechten Tag haben. Also hieß es: Weiterfahren. Nicht aufgeben.

 

Mit der Dämmerung änderte sich die Stimmung auf der Strecke komplett. Die Nacht war vorbei. Und das alleine fühlte sich schon wie ein kleiner Sieg an. Die Strecke wurde wieder lebendiger. Die Menschen kamen zurück. Aus den stillen, dunklen Stunden wurde langsam wieder ein richtiges Rennen. Und auch am legendären Anstieg war die Stimmung die ganze Nacht über nie komplett weg gewesen. Diese unglaublichen Kelheimer Zuschauer. Diese Menschen, die offenbar beschlossen hatten, dass Schlaf völlig überbewertet wird. Während wir Fahrer nachts irgendwann nur noch mit uns selbst beschäftigt waren, standen dort immer noch Leute und feuerten uns an. Heiser. Müde. Aber da. Genau das macht das Race24 Kelheim so besonders.

 

Auch im restlichen Streckenverlauf kehrte das Leben zurück. Das Bierzelt erwachte wieder. Die Moderation startete erneut. Und plötzlich bekam ich wieder mit, was eigentlich gerade passierte. Das Rennen lief weiter. Meine Beine waren nicht mehr dieselben wie am Anfang. Das war keine Überraschung. Irgendwann fordert ein solches Rennen seinen Preis. Aber ich hatte gehofft, dass ich vielleicht noch ein bisschen mehr Reserven habe. Dass ich dieses Defizit durch Kampfgeist ausgleichen kann.

 

Der Kampf mit dem Essen – und dem eigenen Körper

 

Das größte Problem blieb aber weiterhin die Energiezufuhr. Ich bekam einfach nicht genug rein. Und das machte sich bemerkbar. Ich fühlte mich zunehmend aufgeschwemmt. So richtig wohl fühlte ich mich nicht mehr in meinem Körper. Die Hitze tat ihr Übriges. Wassereinlagerungen. Schwere Beine. Dieses Gefühl, dass der Körper irgendwie nicht mehr ganz einem selbst gehört. Und trotzdem: Weiterfahren. Denn Aufgeben stand nicht zur Diskussion.

 

Irgendwann kam dieser typische Moment. Man schaut auf die Uhr. Und denkt:"Okay. Jetzt muss es doch langsam vorbei sein." Dann sieht man: Noch sechs Stunden. Sechs Stunden. Für viele Menschen wäre das eine komplette, lange Wochenendtour. Für mich war es in diesem Moment einfach nur:"Sechs Stunden Qual." Der Kopf macht bei langen Rennen manchmal komische Dinge. Er bewertet Zeit nicht mehr logisch. Eine Stunde kann sich wie fünf Minuten anfühlen. Oder wie ein halber Tag.

 

Ich stoppte irgendwann nochmal kurz am Streckenrand und fragte nach dem Stand. Wie sieht es aus? Wie weit ist Kathi weg? Wie weit ist Platz vier entfernt? Patrick analysierte die Situation. Und seine Antwort war eigentlich genau das, was ich hören musste:"Wenn du einfach so weiterfährst wie jetzt, reicht es."Nicht schneller. Nicht spektakulärer. Einfach weiter.

 

Der Sieg war zu diesem Zeitpunkt unrealistisch geworden. Theresa überholte mich. Die spätere Siegerin. Und sie hatte mich nicht nur überholt. Sie hatte mich überrundet. Eine komplette Runde Vorsprung.

Und das war der Moment, in dem ich innerlich den ersten Haken setzen musste. Nicht aus Frust. Nicht aus Ärger. Sondern aus Respekt. Man möchte gewinnen, weil man an diesem Tag die Stärkste ist. Und Theresa war an diesem Tag stark. Sehr stark.

 

Akzeptieren heißt allerdings nicht, dass es sich gut anfühlt. Ganz im Gegenteil. Das war wahrscheinlich der härteste Moment des gesamten Rennens. Nicht körperlich. Mental. Ich hatte noch diesen kleinen Hoffnungsschimmer: Vielleicht reicht es noch für Platz zwei. Vielleicht kann ich Kathi hinter mir halten. Vielleicht. Und dann fuhr dieser Hoffnungsschimmer einfach mit ca. 60 km/h an mir vorbei.

 

Vom Hoffen zum Akzeptieren

 

Es war irgendwann am späten Sonntagvormittag. Noch knapp vier Stunden zu fahren. Vier Stunden. Eigentlich gar nicht mehr so viel.

Eigentlich. Ich kämpfte mich wieder einmal diesen inzwischen ungeliebten Berg hinauf. Der gleiche Anstieg, den ich am Vortag noch voller Selbstvertrauen hochgeflogen war. Jetzt war jede Runde Arbeit.

 

Oben angekommen suchte ich wieder irgendeine Gruppe für das flache Stück zurück Richtung Kelheim. Nicht, weil ich besonders taktisch unterwegs sein wollte – sondern weil ich schlichtweg nicht mehr die Kraft hatte, alleine gegen den Wind zu fahren.

Schließlich fand ich zwei Teamfahrer, an deren Hinterrad ich mich hängen durfte. Perfekt. Kurz durchatmen. Ein bisschen rollen lassen. Und dann hörte ich von hinten nur das typische Surren einer schnelleren Gruppe. Ich schaute kurz über die Schulter. Und dann zog sie vorbei. Vorbei schoss Kathi Stockbauer.

 

Während ich mich gefühlt Zentimeter für Zentimeter über die Strecke schob, fuhr sie mit einer Leichtigkeit vorbei, die fast schon gemein aussah. Nicht gequält. Nicht am Limit. Sondern einfach... locker. Ich glaube, genau in diesem Moment wusste ich."Das war's." 

Natürlich versucht der Kopf erst noch zu verhandeln."Vielleicht fährt sie sich gleich fest." "Vielleicht war das jetzt ihre letzte Attacke." "Vielleicht..." Aber tief drin wusste ich es längst. Nein. Diese Leichtigkeit kann man nicht spielen. Wenn jemand nach fast zwanzig Stunden Rennen noch so an einem vorbeifliegt, dann ist er heute einfach stärker. Punkt.

 

Und ganz ehrlich? Das muss man auch anerkennen können.

Ich bin niemand, der hofft, dass die Konkurrenz einen Defekt bekommt oder Magenprobleme oder sonst irgendetwas. So möchte ich selbst schließlich auch nicht gewinnen. Wenn ich irgendwann einmal ganz oben stehe, dann möchte ich das, weil ich an diesem Tag die Stärkste war. Nicht, weil die anderen Pech hatten. Und genauso musste ich jetzt akzeptieren: Heute waren andere stärker.

 

Ein Hefeklops auf 2 Rädern

 

Als ich wieder an Olaf und Patrick vorbeikam, blieb ich stehen. Sie mussten gar nichts sagen. Ich begann direkt: "Ja, ich weiß. Sie ist gerade an mir vorbeigefahren." Patrick nickte. Wir schauten uns kurz an. Mehr musste eigentlich gar nicht gesagt werden. Olaf versuchte sofort, mich wieder aufzubauen. "Komm, kämpf um Platz zwei." Ich schüttelte nur den Kopf. "Nein." "Die ist so locker an mir vorbeigefahren...die hole ich nicht mehr." In meinem Kopf ein Gedanke, der nur in einem 24-Stunden-Rennen entstehen kann.

Ich dachte nur noch: "Ich fühle mich gerade wie ein Hefeklops auf zwei Rädern."

 

Bis heute finde ich, dass dieses Wort meinen Zustand perfekt beschreibt. Aufgedunsen. Schwere und geschwollene Beine. Schmerzende Arme und Hände voller Wassereinlagerungen. Meine Kiefer schmerzten durch die Backpfeifen in der Nacht. Der Körper fühlte sich an, als hätte jemand statt Muskeln einfach Brotteig eingebaut und diesen etwas zu fest und lange geknetet. Und während Kathi und Theresa gefühlt elegant den Berg hinauftänzelten, hatte ich das Gefühl, jede Pedalumdrehung persönlich mit dem Universum ausdiskutieren zu müssen.

 

Dann stellte ich die einzige Frage, die mich in diesem Moment noch interessierte. "Wie weit ist Platz vier weg?" Denn ehrlich gesagt wusste ich überhaupt nicht mehr, wie das Rennen hinter mir aussah. Ich war so sehr mit meinem eigenen Überleben beschäftigt gewesen, dass ich keine Ahnung hatte, ob mir vielleicht schon die nächste Fahrerin im Nacken saß. Patrick schaute kurz auf die Zeiten.

Dann sagte er ganz ruhig: "Neun Runden Vorsprung." Ich glaube, ich habe ihn angeschaut wie jemand, der gerade versucht, einfache Mathematik zu verstehen. Neun? Wirklich? Dann fragte ich: "Wie viele Runden muss ich denn noch fahren, damit Platz drei sicher ist?"

Denn rechnen konnte ich zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr. 24 Stunden ohne Schlaf sind erstaunlich effektiv, wenn man sein Gehirn einmal komplett herunterfahren möchte. Patrick grinste. "Gar keine." Ich schaute ihn an. "Wie?" "Gar keine. Das aufzuholen schafft sie zeitlich nicht mehr."

 

Der Moment, in dem der Druck abfällt

 

Und plötzlich...war alles weg. Der Druck. Die Anspannung. Dieses ständige Rechnen. Dieses Hoffen. Dieses Kämpfen. Ich wusste plötzlich: Der dritte Platz ist sicher. Natürlich hätte ich gerne weiter vorne gestanden. Natürlich. Aber in diesem Moment überwog etwas ganz anderes. Erleichterung. Vor allem, weil ich gerade eines überhaupt nicht mehr wollte. Diesen verdammten Berg noch einmal hochfahren.

 

Also sagte ich diesen einen Satz: "Ich mache jetzt Pause." Nicht, weil ich aufgegeben hatte. Nicht, weil ich keine Lust mehr auf das Rennen hatte. Sondern weil ich in diesem Moment einfach nichts mehr erzwingen wollte.  Wir gingen zurück ins Camp. Ich setzte mich. Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit. Und plötzlich lag da ein Stück Pizza. Ich nahm es. Und wisst ihr was? Auf einmal konnte ich essen. Nach all den Stunden, in denen mein Magen praktisch gestreikt hatte. Ausgerechnet jetzt. Typisch Körper. Zwanzig Stunden lang verweigert er Nahrung. Und kaum nimmt man den Druck raus, denkt er sich: "Ach übrigens, jetzt hätte ich Hunger." Danke auch.

 

Während ich da saß und meine Pizza aß, passierte etwas Interessantes. Ich war überhaupt nicht traurig. Nicht wirklich. Natürlich wäre Platz zwei schön gewesen. Oder Platz eins. Keine Frage. Aber ich war vor allem einfach froh. Froh, dass der Druck weg war. Froh, dass ich gerade nicht mehr diesen Berg hochmusste. Froh, einfach mal sitzen zu dürfen. Manchmal schrumpft die Welt in einem 24-Stunden-Rennen auf ganz einfache Dinge zusammen. Ein Schattenplatz. Ein Stück Pizza. Ein Campingstuhl. Und plötzlich fühlt sich das an wie purer Luxus.

 

Das Große Finale

 

Trotzdem war für mich klar: Eine Runde wollte ich noch fahren. Mindestens. Denn eines war mir wichtig: Ich wollte dieses Rennen nicht einfach nur beenden. Ich wollte es zu Ende fahren. Mitnehmen. Genießen. Und vor allem die letzte Runde so erleben, wie sie gedacht ist. Nicht als Kampf. Sondern als Abschluss.

 

Also setzte ich mich kurz nach zwölf Uhr wieder aufs Fahrrad. Nach ungefähr anderthalb Stunden Pause. Und das Gefühl war überraschend gut. Natürlich war ich nicht plötzlich wieder frisch. Es gab keine Wunderheilung. Die Beine waren nicht auf einmal wie am Start. Aber die Last war weg. Ich musste niemanden mehr jagen. Niemand jagte mich. Ich musste keine Wattzahlen mehr verteidigen. Ich musste einfach nur noch eine Runde fahren. Und plötzlich fühlte sich genau das wieder richtig gut an.

 

Und dann passierte etwas, das bei Race24 Kelheim jedes Jahr aufs Neue beeindruckend ist: Die letzten Runden. Denn diese letzten Kilometer haben eine ganz besondere Energie. Die Teamfahrer wissen: Um 14 Uhr muss der letzte Fahrer im Ziel sein. Also wird plötzlich nochmal alles ausgepackt. Die letzten Körner. Die letzten Reserven. Die letzten Attacken. Auf der Strecke fliegen die Fahrer mit Geschwindigkeiten vorbei, bei denen ich mich frage, ob die in der Nacht heimlich neue Beine montiert bekommen haben.

Und mittendrin: Die Zuschauer. Diese unglaublichen Menschen. 24 Stunden später immer noch da. Mittlerweile wahrscheinlich ohne Stimme. Aber trotzdem brüllend.

 

Ich fuhr den Anstieg hoch und grinste einfach nur. Die ganze Zeit. Denn plötzlich war wieder genau das da, weshalb man sich dieses Rennen überhaupt antut. Diese Atmosphäre. Diese Menschen. Dieses Gefühl, Teil von etwas völlig Verrücktem zu sein. Jeder Fahrer wird angefeuert. Egal, ob erster Platz oder letzte Runde. Und wenn du nach 23 Stunden wieder an diesen Leuten vorbeifährst und sie erkennen dich: Dann drehen sie nochmal komplett durch. Es ist ein riesiges Fest. Ein kleines bisschen Wahnsinn. Und ein Ort, an dem Menschen 24 Stunden lang gemeinsam etwas feiern, das für Außenstehende wahrscheinlich völlig absurd klingt. Aber wer einmal dabei war, versteht es.

 

wenn aus Leiden plötzlich Gänsehaut wird

 

Erfahrungsgemäß sind beim Race24 Kelheim die letzten Runden die emotionalsten. Nach fast 24 Stunden Rennen sind die Beine natürlich alles andere als frisch. Jeder Kilometer hat seine Spuren hinterlassen. Jeder Anstieg erinnert einen daran, dass man am Vortag irgendwann mal eine wirklich fragwürdige Entscheidung getroffen hat, freiwillig 24 Stunden Fahrrad zu fahren. Aber mental passiert etwas ganz Besonderes. Man weiß: Es ist fast geschafft.

 

Und das war irgendwie verrückt. Denn wenn ich an die Nacht zurückdenke, gab es Momente, in denen ich ernsthaft dachte: "Warum mache ich das eigentlich?" Und jetzt fuhr ich hier. Fast am Ende. Und dachte: "Genau deswegen."  Ich konnte einfach fahren. Den Moment genießen. Die Menschen wahrnehmen. Und mich bedanken. Denn diese Zuschauer waren ein riesiger Teil dieses Rennens.

 

Dann kam der letzte Anstieg. Das letzte Mal diese Zuschauer. Das letzte Mal diese Stimmung. Das letzte Mal dieser Gedanke: "Nie wieder dieser Berg." Zumindest für heute.  Oben angekommen ging es zurück Richtung Kelheim. Der Wind stand mittlerweile nochmal richtig brutal. Volle Breitseite. Dazu die Hitze. Diese Kombination aus heißer Luft und Gegenwind fühlte sich an wie ein Föhn, den jemand direkt ins Gesicht hält. Nicht besonders angenehm. Aber auch das gehörte jetzt einfach dazu. Ich fand wieder eine kleine Gruppe und durfte mich hinten verstecken. Und dafür war ich unglaublich dankbar. Denn nach fast 24 Stunden muss man keine Heldengeschichten mehr schreiben. Man darf auch einfach mal im Windschatten bleiben.

 

Dann kam die Einfahrt Richtung Altstadt. Der Torbogen. Das Kopfsteinpflaster. Das Bierzelt. Und plötzlich war alles wieder da. Die Musik. Die Menschen. Die Moderation. Die Stimmung. Und dann: "Und hier kommt unsere Mary!" Dieser Moment war einfach Gänsehaut. Denn genau dafür macht man solche Rennen. Nicht nur wegen der Platzierung. Nicht wegen der Ergebnisliste. Sondern wegen dieser Momente. Du bist müde. Du bist leer. Du fragst dich mehrfach, ob du eigentlich noch alle Tassen im Schrank hast. Und dann fährst du durch dieses Bierzelt und hunderte Menschen feiern dich. Das ist schon ziemlich verrückt.

 

Theoretisch hätte ich zeitlich sogar noch eine weitere Runde fahren können. Die Uhr hätte es hergegeben. Aber ich wollte diesen Moment nicht einfach nebenbei erledigen. Ich wollte ihn genießen. Die letzte Runde sollte eine letzte Runde sein. Nicht einfach noch ein Kilometerfressen. Und dann war er da. Dieser Moment. Ich fuhr nicht weiter. Ich nahm nicht noch die nächste Runde mit. Ich bog ab. Stieg vom Fahrrad. Fertig. 24 Stunden Race24 Kelheim. Geschafft.

 

Die Analyse: Woran hat es gelegen?

 

Natürlich kommt nach einem solchen Rennen irgendwann die unvermeidliche Frage: Warum hat es nicht ganz nach vorne gereicht? Und natürlich habe ich mir diese Frage auch gestellt. Denn seien wir ehrlich: Ich bin nicht nach Kelheim gefahren, um einfach nur irgendwie 24 Stunden Fahrrad zu fahren. Ich wollte wissen, was möglich ist. Ich wollte mir selbst zeigen, was ich kann. Und nach dieser Vorbereitung hatte ich auch allen Grund, daran zu glauben.

 

Wenn ich das Rennen heute mit etwas Abstand betrachte, dann gibt es wahrscheinlich nicht den einen Grund. Es war nicht der Platten. Es war nicht der Rücken. Es war nicht die Hitze. Es war nicht die Konkurrenz. Es war wahrscheinlich eine Kombination aus vielen kleinen Dingen. Der größte Faktor war für mich aber vermutlich die Ernährung. Oder besser gesagt: Die fehlende Ernährung. Denn der Körper kann noch so gut vorbereitet sein – irgendwann kommt die Rechnung. Ich hatte zwar alles dabei. Die Planung war perfekt. Die Taschen waren voll. Meine Betreuer hatten für jede Runde Snacks vorbereitet. Eigentlich war alles angerichtet. Nur mein Magen hatte offenbar beschlossen:"Heute machen wir's mal anders."

 

Und das ist vielleicht eine der frustrierendsten Erfahrungen im Ausdauersport. Man kann monatelang trainieren. Man kann Kilometer sammeln. Man kann Intervalle fahren. Man kann Kraftausdauer trainieren. Man kann jedes Detail planen. Aber am Renntag entscheidet am Ende der Körper. Und der hat manchmal seine ganz eigene Meinung.  Vielleicht hätte ich noch spezifischer trainieren können. Denn eines weiß ich: Ich bin kein geborener Bergfahrer. Dieser Kelheimer Anstieg ist kein riesiger Alpenpass. Aber wenn man ihn 24 Stunden lang fährt, wird jeder Höhenmeter irgendwann zum Gegner. Vielleicht hätte ich noch mehr daran arbeiten können, diese Kraftausdauerleistung länger aufrechtzuerhalten. Nicht einmal unbedingt schneller. Einfach länger stark bleiben.

 

Aber gleichzeitig muss man auch die Realität sehen. Die Konkurrenz war brutal stark. Theresa und Kathi haben ein überragendes Rennen gefahren. Und das muss man anerkennen. Manchmal ist die Antwort nicht:"Ich habe etwas falsch gemacht." Manchmal lautet die Antwort einfach:"Andere waren an diesem Tag besser." Und das ist auch ein Teil des Sports.

 

Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig Olaf und Patrick für dieses Rennen waren. Sie waren 24 Stunden lang da. Sie haben Flaschen gereicht. Sie haben Essen vorbereitet. Sie haben mein Fahrrad repariert. Sie haben mitgedacht, wenn mein Kopf dazu nicht mehr in der Lage war. Sie haben meine schlechten Momente ausgehalten. Und vor allem: Sie haben mich immer wieder aufs Fahrrad gebracht. Manchmal mit einer Massage. Manchmal mit einem guten Zuspruch. Manchmal vermutlich auch mit einem innerlichen:

"Jetzt hör auf zu jammern und fahr weiter."  Ohne diese Menschen wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen. Denn auf dem Papier steht am Ende: 3. Platz Damenwertung. Aber hinter diesem Ergebnis stehen viel mehr als nur meine 24 Stunden auf dem Fahrrad. Da stehen die Menschen, die vorher geplant haben. Die mitgefiebert haben. Die nachts wach geblieben sind. Die genauso Teil dieses Rennens waren wie ich.

 

Und dann bleibt natürlich noch die letzte Frage. Die Frage, die man sich direkt nach dem Rennen eigentlich nicht stellen sollte: Mache ich das nochmal?  Meine Antwort direkt nach dem Zieleinlauf? Ganz klar: Nein. Definitiv nicht. Nie wieder. Ich bin fertig. Ich habe genug. Dieses Kapitel ist abgeschlossen.  Und dann vergeht ein bisschen Zeit. Die Beine schwellen wieder ab. Der Rücken hört irgendwann auf zu meckern. Die Müdigkeit verschwindet. Und plötzlich erinnert man sich nicht mehr an die Momente, in denen man am liebsten aufgegeben hätte. Man erinnert sich an: Die Menschen am Berg. Das Bierzelt. Die Atmosphäre. Die letzte Runde. Den Moment auf der Bühne. Dieses Gefühl, Teil von etwas ganz Besonderem gewesen zu sein. 

 

Und dann passiert etwas Gefährliches. Man denkt: "Also... vielleicht..."

 

24 hours in Kelheim - Between Euphoria, an Existential Crisis, and Endorphins

It had been four years since I last stood at the starting line of the Race24 Kelheim. Four years in which a lot had happened. After my last appearance in Kelheim in 2022, I needed some distance first. Not because I didn’t love this race – quite the opposite. But sometimes you simply need a break from the really long stories.

 

In the meantime, my sporting focus had shifted in a different direction. I spent a lot of time in running, searching for new challenges there and pushing myself well beyond my comfort zone. But at some point, the spark came back. That very special kind of tingling sensation that you probably only understand if you are the kind of person who voluntarily comes up with the idea of riding a bicycle in circles for 24 hours straight. You probably have to be a little crazy for that. And so, at some point, the thought emerged: “Why not Kelheim again?”

 

Not necessarily to prove something to anyone else. More than anything, I wanted to prove it to myself. I wanted to find out what was still possible after those years away. And if I was going to come back, then I wanted to do it properly.

So my focus shifted back to my greatest passion: ultra-distance cycling.

 

Preparation - I had never been this well prepared

 

 

Starting in February, a lot of my life revolved around long distances. While others were enjoying relaxed weekend rides, my interpretation of the term “Sunday ride” became increasingly generous. 200 kilometers on a weekend almost became the norm. The goal was simple: collect miles. Get the body used to spending long periods of time in the saddle. Not just train the legs, but also the mind. Because in races like these, it eventually comes down to more than just fitness. At some point, it becomes about how well you can cope when things get uncomfortable.

 

Two months before Race24 Kelheim, things became truly specific. I completed a nonstop ride of over 650 kilometers in 28 hours. Not because I necessarily wanted to find out how beautiful the world looks at 3 a.m. from a bicycle – but because that was exactly what the race would demand later on: keeping going even when your body is telling you it wants to sleep. On top of that, I did a bikepacking trip covering 1,100 kilometers in five days, along with numerous other long rides of 200, 300, or even more kilometers.

 

In addition, there was strength-endurance training in our beautiful Southern Black Forest. The Kelheim circuit may not be an Alpine pass, but that one long climb comes around often enough during 24 hours that eventually you get to know it personally. And it gets to know you as well. My goal was clear: I wanted to have the strength to still get over that climb properly even after many hours in the saddle. And I have to say: I felt like I had never been better prepared.

 

The week before the race - Checklists, shopping carts and a great packing marathon

 

 

A race like Race24 Kelheim does not begin on Saturday at 2 p.m. with the starting gun. In reality, it starts much earlier. One week before the event, the big checklist came out. What do we need? What do my support crew need? What do I need on the bike? Because while you ride a 24-hour race alone, you definitely do not face it alone.

 

My support crew would also have a long day and an even longer night ahead of them. So, of course, I had to make sure they were taken care of as well. Food, drinks, snacks, coffee – everything that people need when they voluntarily help keep another person alive on a bicycle for 24 hours. When it came to my own nutrition, I had learned over the years what works and what doesn’t.

For me, gels and energy bars are more of an emergency backup. Otherwise, I prefer normal, easily tolerated foods: easily digestible carbohydrates, things that the stomach can still handle even after many hours. Because at some point, the mind may still be motivated – but the stomach simply decides: “No. Not today.”

 

So, the shopping began. And continued. And at some point, the car was full. Very full. On top of all the equipment, we also had to bring a large cooler box. The weather forecast was promising one thing: hot, hotter, Kelheim. This year, for the first time, I brought small cooling packs with me. Not only for cold drinks, but also for my body. The idea was to have some cooling available for my neck when needed and to outsmart the heat, at least a little bit.

 

On top of that, there were two bikes:

My Arc8 Escapee, which I planned to race on. And my backup bike, the Felt AR FRD with good old-fashioned rim brakes. By now, this bike had almost gotten to know the course better than some of the participants. A true veteran.

So, when we finally set off on Friday afternoon, the car was packed from floor to ceiling. It looked less like a weekend trip and more like a small mobile cycling base camp.

 

Why this race is something special

 

For anyone who does not know Race24 Kelheim, the question will probably come up at some point: “Why would anyone actually do something like this?” 24 hours on a 15.6-kilometer circuit with around 180 meters of elevation gain. The same climb again and again. The same descent again and again. At first glance, it does not necessarily sound all that appealing. But that is exactly what makes Kelheim different.

 

I know very few races that are organized with so much passion and dedication. Every year, the RSC Kelheim creates an event where you can truly feel how much work and commitment goes into it. The entire town comes alive for this weekend.

Even the day before the race, food stalls, vendors, and a huge beer tent are set up right in the middle of the market square. The atmosphere feels more like a local festival than a traditional cycling competition. And then there is the atmosphere along the course itself. People are everywhere. They cheer for everyone. It does not matter whether you are a top-level rider, a recreational cyclist, or someone who looks at 3 a.m. like they have just had an argument with their own bike and lost. Especially at night, it is incredible. These people practically carry you around the course. And that is exactly why you keep coming back.

 

Arriving in Kelheim - Pizza, ice cream and the feeling that it was finally about to begin

 

On Friday afternoon, we finally set off towards Kelheim. After all the preparation, the many training kilometers, and the countless organizational details, the moment had arrived when the plan was slowly becoming reality. We arrived in the early evening, quickly checked into the hotel, and then headed straight into town to pick up our race numbers and registration materials.

And of course, one important question still had to be answered: What should the final meal before a 24-hour race look like? The answer was actually obvious. Pizza. No experiments. No crazy nutrition ideas the night before the race. Just something that works and makes you happy.

 

And Kelheim is simply perfect for that on the evening before the race. The town was already full of life. People everywhere, cycling everywhere, and that special feeling of anticipation in the air. It felt a little like the evening before a big celebration. Or like the evening before a rather absurd idea. Depending on which perspective you look at it from.

 

Our good friend Kai Saaler, who has made quite a name for himself in the 24-hour racing scene, had also managed to secure a last-minute starting spot. Together with his wife Tamy, he was there as well. So the evening became more than just the start of a race weekend – it was also a wonderful reunion among friends. Pizza, ice cream, good conversations, and plenty of laughs – basically exactly what you need before voluntarily signing up to suffer on a bike for 24 hours the next day.

 

Nevertheless, we went to bed relatively early. Because as exciting as the anticipation was, the alarm clock would be ringing the next morning. And then things would get serious.

 

Breakfast without surprises

 

The next morning, breakfast was first on the agenda. After a bad experience at a previous start, I had made sure to be prepared this time. Back then, I had apparently eaten something that my stomach really did not appreciate. The result: after just two laps, I was forced to stop. Having to abandon a 24-hour race after two laps because your stomach and digestive system decide to rebel is an experience you can definitely do without.

 

So this time, I played it safe. My own breakfast. Porridge. Tried and tested. Boring. Perfect.

While others were sampling their way through the breakfast buffet, I prepared my own food. In a 24-hour race, the winner is not necessarily the person who makes the most exciting decisions – sometimes it is simply the person who avoids making stupid mistakes. After that, we headed to the camp. And there, the next important mission was already waiting: We had to build our home for the next several hours.

 

Our little kelheim home

 

Fortunately, Matthias had already organized a spot for us in advance. And that was worth its weight in gold. The reservation of camping areas opens as early as the Tuesday before the race. So if you are traveling from further away and do not plan ahead, you can quickly end up somewhere on the edge of the action.

 

For an individual rider, however, having a good spot is extremely important. The support crew needs to be able to react quickly. Bottles, food, equipment changes – everything has to run smoothly. Long distances cost time and energy.

Matthias, however, had secured a real gem for us – thank you for that! Right next to the course, but still in a quiet location. Basically right by the canal, exactly where the route passes the bridge and heads into the climb. Perfect.

 

Together with Kai and Tamy, we then set up camp. And Kai had clearly decided that we were not just going to pitch up somewhere – we were going to create a small luxury station. A large gazebo. Plenty of folding chairs. A floor mat. Everything you need when, in the middle of a 24-hour race, you suddenly realize that a camping chair can be the greatest luxury in the world.

 

After around two hours, the whole setup actually looked incredibly comfortable. All the support crew had shade. The equipment had its place. And I was able to lie down for a short while. Not sleep – that rarely works for me before races like this anyway – but simply close my eyes, switch off, and doze for a bit. And then: drink. Drink a lot. The heat was already clearly noticeable, and I wanted to start the race with my fluid levels topped up. Of course, that immediately triggered the next thought: “Great. Now I’m drinking like a champion, and during the race I’ll probably have to pee every five minutes.”

 

Another one of those topics that you end up thinking about surprisingly often in cycling.

Especially when you are wearing a cycling bib and every trip to the toilet becomes a small logistical operation.

But alright. A problem for future Maria. For now, the start was waiting.

 

The start - Between nerves, garmin drama and full-gas-mode

 

Eventually, the moment arrived. The clock was approaching 2 p.m., the kit was on, the bottles were prepared, and the bike was ready. Together with Kai, I slowly rolled towards the start line.

Although “slowly” might not be the right word, because internally I was anything but relaxed. The start area was set up slightly differently this year compared to previous editions, and at first I had to find the right section. But eventually, we were there.

Around us: countless riders. The tension was tangible.

 

Still, I was not upset that we lined up relatively far towards the back. Especially at the beginning, things can get very intense among the team riders. The first few minutes are a big battle for position. Everyone wants to be in a good spot, find groups, and lose as little time as possible. As an individual rider, however, this is not necessarily the moment to throw yourself blindly into that chaos. I knew: my race would last 24 hours. Not 24 minutes.

 

The moment before the start is always somehow special. You spend months training, collecting countless kilometers, thinking through every little detail – and then suddenly you are standing there thinking:

“Okay. There is actually nothing left to plan now. Now I just have to ride.”

Although… of course, even then, things would not be complete without a little drama.

Apparently, a bit of chaos shortly before the start is just part of the experience for me. First, my power meter refused to connect properly to my Garmin. Naturally, exactly at the moment when you simply want to stay calm. And as if that was not enough, my Garmin decided a few minutes before the start that this would be the perfect time to treat itself to a spontaneous update.

Even though I had specifically told it beforehand: “Remind me later. Like tomorrow at this time.”

The Garmin apparently thought: “Later is now.”

 

In a normal situation, this would have been a minor inconvenience. Before a 24-hour race, when you are already full of adrenaline and your entire plan is mapped out down to the smallest detail, something like this suddenly feels like a small-scale nervous breakdown.

I am actually a bit of a control freak when it comes to things like that. Not because I cannot handle spontaneous situations – a 24-hour race is, after all, made up of plenty of things you cannot control. But precisely because of that, I try to eliminate as many variables as possible beforehand.

If I know:

  • Equipment is ready,
  • Nutrition is sorted,
  • The plan is clear,
  • The team knows what to do,

then I can focus on what really matters: Riding my bike.

Fortunately, the technology calmed down in time. The Garmin survived its update. The power meter rediscovered its purpose in life. And I was able to focus again on what this was all about.

Then came the countdown.

 

And with a loud bang, the starting gun went off.

Race24 Kelheim 2026 was underway.

 

The first laps - Making a statement

 

My plan was clear. I wanted to go all-out for the first hour. Not completely recklessly and ride myself into disaster – but I wanted to make a statement. I wanted to show:

“I’m back.”

 

After four years away, I did not want to simply sit back and see what happened. I knew I was in really good shape. I knew how much work had gone into the previous months. And I wanted to feel that effort out on the course.

In the women’s field, two extremely strong riders were on the start list: Kathi Stockbauer and Yvonne Margraf. Kathi, in particular, was considered one of the absolute favorites. I knew that if I wanted to have a chance, I had to show early on that I was not just there to participate.

 

So, off we went.

The first lap? Almost 37 km/h average speed.

The second lap? Again around 36 km/h.

On a circuit like the one in Kelheim, the dynamics of the group naturally play a huge role. Especially the descent and the rolling section back towards town can be ridden much more efficiently in a group. When you are fresh, you can take advantage of those opportunities.

And that was exactly what I did.

 

I felt strong.

Very strong.

 

The moment i suddenly found myself out front

 

At some point during the first few laps, I caught up with Kathi. We rode together for a while and exchanged a few words. And then came the climb.

The climb I had trained for so many times. The climb where I wanted to find out whether all the preparation had actually paid off.

And sure enough, that was where I was able to create a decisive gap.

Exactly the moment I had imagined beforehand.

 

I was out front.

Not at some point later. Not after many hours.

Early in the race.

The feeling was incredible.

After all those months of preparation, the long rides, the aching legs, and the countless hours alone on the bike, there was suddenly this confirmation:

It works.

 

But despite all the excitement, a 24-hour race is always about countless small details that have to work perfectly. For me, one of those details was bottle handovers.

I had deliberately chosen to use only one bottle cage on the bike. Save weight. Keep things simple. Take one bottle up the climb, receive a new one. That was the plan.

But if that handover goes wrong, the problem suddenly becomes a big one. You either continue without fluids or lose time because someone has to run after you.

So we had discussed everything in detail beforehand.

 

Where would the support crew stand? How did I want the bottle handed to me? What exactly would we do?

And in the end: it worked perfectly.

The team did their job.

I could focus on riding.

 

And then my body started speaking up

 

Of course, it would have been too good if everything had simply continued perfectly. But a 24-hour race would not be a 24-hour race if your body did not eventually start making its own suggestions.

My first problem: thirst.

And not the normal thirst you feel after a hard lap. It was this feeling that I was not really absorbing fluids properly at all. I drank lap after lap. 500 milliliters after 500 milliliters. But my mouth stayed dry and sticky.

The electrolyte powder and the additional salt did not necessarily make the feeling any better. Quite the opposite.

And the frustrating part was that I always had fluids with me. Mentally, that was already annoying.

 

And then something else started to appear:

My back.

Up to that point, everything had gone exactly according to plan. I was riding fast, I felt good, and I had the feeling that I was showing why I had invested so much over the previous months.

But a 24-hour race does not care about your plans.

At some point, your body speaks up.

And mine had apparently decided:

“Alright, now we need to talk about your back.”

 

A few weeks earlier, I had somehow pinched something while bending down. Probably nothing serious – but one of those small, annoying “something is not quite right” issues that are always somehow there in the background.

The kind of thing you barely notice in everyday life.

Until you spend 24 hours sitting on a bicycle.

Perfect timing.

Before the race, I had tried everything to get the issue under control. Stretching, strength exercises, mobility training.

Among other things, I had also taken part in an Everesting attempt shortly before the race. I had noticed there as well that my back was not completely happy. But I thought:

“We’ll get it sorted.”

 

And actually, it held up well at the beginning.

Until suddenly, while I was pushing hard on the pedals during the race, my back said:

“No.”

Simply no.

 

The moment when your mind immediately turns it into a drama

 

And then something happened that, unfortunately, I know all too well about myself. A small problem suddenly becomes huge inside my head.

My back hurt. I was thirsty. The heat was brutal.

And suddenly, that thought appeared:

“Honestly? I could just stop now.”

After two and a half hours.

In a 24-hour race.

The classic scenario.

 

Your mind takes a small low point and immediately turns it into a complete disaster.

Rationally, you know: only a fraction of the race is over. Your body can recover. These phases come and go.

But in that moment, it simply feels different.

You are sitting on your bike, sweating, hurting, and thinking:

“Why exactly did I think this was a good idea again?”

I have to admit: In moments like these, I can be a bit of a drama queen mentally. While others might simply keep grinding away without a word, I am sometimes already close to writing a resignation letter to my own hobby.

Luckily, things improved again.

 

I started deliberately moving my body during the descents and faster sections. Standing up. Stretching my back from side to side. Rounding it. Arching it. Basically trying anything that could loosen the tight muscles a little.

It probably did not look particularly elegant.

But when you ride for 24 hours, you eventually let go of any idea that you are still going to look especially stylish. At that point, the only question that matters is:

What helps?

Just keep going.

 

The Food - Or rather the attemp at eating

 

After four laps, the moment had actually arrived when we wanted to start with the proper race nutrition. According to my Garmin, I had already burned more than 1,000 calories. The body needs fuel. In theory.

The problem: I couldn’t.

My appetite had completely disappeared. The thirst was overwhelming everything else. I had the feeling that if I ate anything now, it would simply get stuck somewhere in my throat.

 

The first snack arrived: a piece of brioche bread. With butter and some kind of spread. Normally, exactly my thing.

But in that moment, it felt more like a physical challenge. I practically had to negotiate with myself to get it down.

And of course, my support crew was doing everything exactly according to plan. Every lap, a small bag with a tiny portion of food was attached to my bottle. A great idea that had worked perfectly in my two previous races.

 

Until now.

In practice, I simply collected those little bags. And stuffed them into the front of my jersey.

One lap.
Two laps.
Three laps.

At some point, I had an entire snack collection stored under my jersey. I probably looked like I had developed a very special kind of cycling belly. A belly made entirely out of uneaten food.

Eventually, enough was enough.

At the next handover, I got rid of all the little bags and shouted to my support crew:

“Don’t give me any more food for now.”

 

Not because I didn’t know that I needed energy. But because my body was simply refusing everything at that moment.

I needed something cold. Something with flavor. Something carbonated. Anything that could finally get rid of this sticky thirst.

And that was when Matthias came into play again.

He and his camp were positioned at one of the many party hotspots on the climb. So I rode past and shouted:

“Can someone bring me a cold Coke?”

 

Not even two seconds later, the camp sprang into action.

As if I had not asked for a drink, but for a medical emergency.

And then I got it:

A Coke.

Maybe half a liter. Maybe more.

It felt like an entire bathtub full of happiness.

And it was unbelievably good.

That first sip.

Cold. Sweet. Fizzy.

 

After hours of electrolyte drink flavor and salt, it was absolute heaven.

Sometimes you do not need perfectly optimized sports nutrition. Sometimes you just need a Coke from a beer mug at the side of a climb.

And suddenly, the energy came back.

 

The lead and the moment in this beer tent

 

Despite all the problems, the race was still going really well. And then came one of those moments you simply cannot plan.

I was riding towards the old town. Through the archway. Over the cobblestones. Heading towards the beer tent.

This section is already unique on its own. You are basically riding straight through the middle of a party. People on the left and right. Music. Commentary. Goosebumps.

And suddenly, I heard the announcer:

“And here comes Mary – the leader of the women’s race!”

 

At first, I thought:

“Wait. What?”

That couldn’t be right.

Me?

The leader?

That moment completely caught me off guard.

I could have almost cried.

Not because of pain.

But because of happiness.

Because that is exactly why you do things like this. For those few seconds when you think:

“Yes. This is exactly why I did all of this.”

 

And from that point on, it kept happening.

Lap after lap:

“Here comes Mary again, our leader!”

And every single time, it felt like a little boost of energy.

I was flying.

I had shown that I was not just here to participate.

I was right in the middle of it.

 

The first break - food, lights and preparing for a long night

 

As planned, the first proper break was scheduled for sometime between 8 and 9 p.m. Not because I had to stop. But because we needed to prepare for the night.

Install the Lezyne lights. Attach the reflective vest. Eat something warm.

And actually, it was also my first trip to the bathroom of the day. Another small victory. With all the drinking I had already done, I had feared that I would need to make a stop every single lap.

But apparently, my body had other priorities.

Waiting for me at the camp were my gnocchi.

 

Finally, something savory.

And surprisingly, I managed to eat them. Not a huge amount. But at least something.

Meanwhile, Patrick and Olaf made the bike ready for the night. Lights installed. Race number attached to the reflective vest. Everything prepared.

After just under ten minutes, I was back on the course.

And then came the part that every 24-hour racer respects:

The night.

In a 24-hour race, the night is somehow the final boss.

 

Not necessarily because riding a bike becomes harder at night. Not necessarily because it gets colder.

But because suddenly, everything changes.

During the day, the atmosphere carries you. People along the course. Music. Commentary. The town. All the other riders. You are part of a huge event.

But eventually, the sun disappears.

And with it, many of those distractions disappear as well.

Then there is only yourself.

The bike.

The course.

And your thoughts.

 

Luckily, after that first difficult phase, things continued to go surprisingly well. I could feel, though, that the lack of energy was slowly starting to take its toll. My power numbers on the climb dropped slightly. My body was no longer quite as explosive as it had been in the afternoon.

But it was still absolutely manageable.

I could keep going.

I was still competitive.

And most importantly:

I was still in the race.

Food remained difficult. But at least I had managed the gnocchi break and had something substantial in the tank.

The thirst, however, stayed.

 

That issue continued to follow me.

And at some point, the thought changed from:

“I’m thirsty.”

to a completely frustrated:

“Why have I been THIRSTY for hours?”

But well.

You do not sign up for a 24-hour race because everything is comfortable.

 

Between freezing and sweating

 

When darkness arrived, the next decision had to be made:

What should I wear?

Normally, that is a simple question. In everyday life. On a normal evening bike ride.

But at Race24 Kelheim, nothing is normal.

The climbs were still warm. Really warm. If I put on too much clothing, I would completely overheat on the way up.

So I decided:

Only arm warmers.

No vest.

No additional layer.

 

The idea was simple: Better to adjust my comfort temperature for the climbs than risk arriving at the cold descent completely soaked in sweat.

And it worked reasonably well.

Although the descents eventually became really uncomfortable.

The human body is simply a very complicated system.

Shortly after midnight, I made another quick bathroom stop. Not in the fancy mobile toilet.

Just the classic option:

The forest.

That is 24-hour racing for you. Practicality comes first.

After that, I got back on the bike.

I wanted to catch a group.

As always in racing:

Find the draft. Save energy. Do not waste power unnecessarily.

 

But suddenly, something felt strange.

The bike.

Somehow… soft.

Not immediately alarming. But every cyclist knows that feeling:

“Something is not right.”

Of course, the mental spiral starts immediately.

Is the tire flat?

Is something broken?

Am I just imagining it?

So I kept riding for a while.

All the way to the old town.

All the way to the cobblestones.

And that is where I got my answer.

The rear tire had lost air.

Not completely.

But enough.

A slow puncture, right in the middle of the night.

Perfect timing.

 

Flat tire - Minutes that felt like an eternity

 

I kept riding over the cobblestones anyway.

Half flat.

Not exactly a recommendation for your equipment or your back, but somehow it worked.

Coming out of the old town, I could already see our camp.

So I shouted:

“Flat tire!”

And immediately, the whole operation kicked into gear.

Olaf and Patrick were already on their way.

 

That is exactly why support crews are priceless in a race like this. While you are still trying to somehow keep things together, other people are already moving and solving problems.

However, a small bit of chaos followed.

The transponder.

That tiny device that counts the laps.

Normally, not a big deal. Cut two zip ties and you are done.

Except Maria had, just to be safe, also secured it with electrical tape.

And except it was the middle of the night.

And except your brain is already running at maybe 20 percent capacity.

Every second felt like a minute.

In the end, of course, we got it sorted. Probably faster than it felt to me at the time.

Transponder onto the Felt.

Swap the lights.

Keep going.

But the whole situation cost time.

In a race where every single lap counts, that suddenly feels huge.

 

Then it was time for my backup bike.

And honestly: I was almost a little happy about it.

This bike had already experienced the course several times before.

An old friend.

And it immediately felt good.

For a moment, I even thought:

“Actually, I could just keep riding this one.”

But there was one crucial difference:

No aero bars.

And especially on the flat return section towards Kelheim, they make a big difference.

So it was clear:

The race bike had to come back.

 

On the next lap, I was already calling out from a distance:

“Bike ready?”

And once again, the crew got to work.

Transponder back on (this time without electrical tape).

Lights swapped back.

Everything changed over again.

Then came the crucial question:

Did we find the cause of the flat?

The answer:

No.

 

But they had immediately installed a new tire.

And in hindsight, that was probably the best decision of the entire night.

Because after the race, we discovered the truth:

There was a tiny piece of metal stuck in the old tire.

So small that you could barely notice it.

Only when you carefully ran your fingers along the inside could you feel it.

So if we had only changed the tube?

I probably would have been standing there with another flat tire one lap later.

Hats off to my team.

Those are exactly the kinds of decisions that make the difference.

 

1:30 a.m. - The moment when everything gets questioned again

 

But an incident like that does not only cost time.

It also costs you mentally.

The calm had returned. The beer tent was almost empty. Only a small group of die-hard partygoers was still bravely holding their ground, fighting the night with loud cheers and singing.

The commentary was gone.

The big stage was empty.

And I did not even know exactly where I stood in the rankings anymore.

I was simply riding.

But then they came back.

The back pain.

The fatigue.

The thought:

“This is really, really hard right now.”

 

And then I looked at the clock.

1:30 a.m.

Not even halfway done.

And suddenly, the race felt enormous.

“How am I supposed to do this for another twelve hours?”

It was not somewhere close to the finish.

Not during the final hour.

Not even remotely.

It was simply right in the middle of the night.

And that is exactly when the moment came – the one I have learned to recognize from these kinds of races.

The moment when your mind suddenly says:

“No.”

Not your body.

Not your legs.

Your mind.

Because objectively, things were not even going badly.

 

I was still riding.

I was still competitive.

I had a team taking care of me.

But suddenly there was this feeling:

Everything is hard.

Everything is annoying.

My damn back hurts.

I am tired.

And above all:

“It is still unbelievably far away.”

That is the cruel thing about a 24-hour race.

When you think after ten hours:

“I still have 14 hours to go.”

It does not sound like a challenge.

It sounds like a threat.

Patrick was standing at the side of the course with my bottle.

 

Normally, a handover works like this:

Grab the bottle.

Keep riding.

Be efficient.

Do not lose time.

But not this time.

This time, I stopped.

I simply needed to let everything out for a moment.

I told him about my back.

That I was tired.

That it was just incredibly difficult right now.

And yes…

That I actually wanted to stop.

 

The famous ultra crisis

Luckily, Patrick knows me well enough by now. He probably already knew what was going to happen before I had even finished talking.

Because I know this situation.

Every long race has one.

At some point, you reach that moment.

That absolute low point.

The moment when your mind tells you that quitting would actually be the most sensible decision.

And that is exactly when you sometimes need someone from the outside looking in.

Patrick did what good support crew members do:

He let me complain for a moment.

But not for too long.

He massaged my back.

He listened.

And then came the message that was roughly:

“You know this moment. This is exactly the point in the race where you always lose motivation. It is part of it. Now you get back on the bike and keep going.”

 

And yes.

He was right.

Unfortunately.

It is actually pretty crazy.

In moments like this, you think:

“This time it really is different. This time I really can’t do it.”

While the people around you already know:

“Yes, you can. That is exactly what you say every time.”

And that is why you need a team.

Not because they can take away the pain.

Not because they can magically give you new legs.

But because in the moments when your own mind becomes completely unreliable, they help restore reality.

 

After this break, we also changed the nutrition strategy once again. Instead of electrolyte drink, we put something else into the bottles:

Red Bull.

Mixed with water.

Scientifically speaking, probably not the most perfect solution – but at that moment, it was highly effective.

My body did not want to cooperate anymore.

My mind wanted to sleep.

So I gave it a little outside support.

And I needed it.

Because the fatigue was brutal.

The kind of exhaustion you only know when you have been awake for a very long time while also physically working hard.

At some point, I started developing creative methods to keep myself awake.

For example:

Slapping myself in the face.

Or pinching my thigh.

Yes.

 

If you told someone that in normal everyday life, they would probably immediately ask:

“Are you okay?”

But at 3 a.m. on a bicycle, with almost 14 hours of racing already in your legs, it suddenly seems like a perfectly logical strategy.

The idea behind it was simple:

Create a short burst of pain.

Get an adrenaline boost.

Refocus.

Because at some point, fatigue is no longer just unpleasant.

It becomes dangerous.

 

Seconds when you're no longer fully present

 

The problem with extreme fatigue is that sometimes you do not even realize yourself how bad things have actually become.

You are riding in a group.

50, 60 km/h.

The lights of the other bikes are in front of you.

The road is passing by.

And then there are these tiny moments.

Those seconds when your eyes stay closed just a little too long.

Those seconds when your mind briefly drifts away.

And that is exactly where the fun ends.

Because you are not alone somewhere on a quiet country road.

You are part of a group.

You have responsibility.

 

So the only option was:

Keep fighting.

Stay focused.

Stay awake.

Somehow make it through until morning.

And then something happened that you spend the entire night waiting for.

Shortly after 4 a.m.

The first signs.

A small bright strip on the horizon.

The beginning of dawn.

And even though, objectively, nothing was really achieved yet, it felt like a victory.

Because every long-distance rider knows:

The night is the toughest opponent.

Not the kilometers.

Not the climb.

The night.

 

And suddenly, I knew:

I had made it through.

The hardest part was over.

At 6 a.m., the requirement to use lights and reflective vests also came to an end.

For me, the decision was clear:

One more quick stop at the camp.

Eat.

Warm up.

Collect new energy.

And there was the classic choice:

Semolina pudding.

Liquid.

Warm.

With honey.

Perfection in a plastic bowl.

After all those hours when normal food had been difficult, this was exactly what I needed.

You could almost drink it.

My stomach barely had to do any work.

And still, it delivered a good amount of calories.

It was not a long break.

Not a relaxed breakfast.

Simply:

Get in.

Eat.

Keep going.

 

back to Second place

 

During the night, I had not really noticed what was happening at the front of the race. At some point, Theresa had overtaken me.

I had not even registered it.

Probably during one of my difficult phases.

Maybe during the flat tire.

Maybe during the mental low point.

Suddenly, I was no longer leading.

I was second.

And of course, my first thought was:

“Damn.”

 

But at the same time, I knew:

Eight hours is an eternity in a 24-hour race.

In eight hours, anything can happen.

Anyone can have a good day or a bad day.

So the only thing to do was:

Keep riding.

Do not give up.

With the arrival of dawn, the atmosphere on the course changed completely.

The night was over.

And that alone felt like a small victory.

The course became alive again.

The people came back.

The quiet, dark hours slowly turned back into a real race.

And even at the legendary climb, the atmosphere had never completely disappeared throughout the night.

 

Those incredible Kelheim spectators.

Those people who had apparently decided that sleep was completely overrated.

While we riders were eventually only focused on fighting our own battles during the night, there were still people standing there, cheering us on.

Hoarse.

Tired.

But there.

That is exactly what makes Race24 Kelheim so special.

Life also returned to the rest of the course.

The beer tent came back to life.

The commentary started again.

And suddenly, I became aware of what was actually happening.

The race was continuing.

 

My legs were no longer the same as they had been at the beginning.

That was no surprise.

At some point, a race like this demands its price.

But I had hoped that maybe I still had a little more left in the tank.

That I could make up for the deficit through determination and fighting spirit.

 

The battle with food - and my own body

 

The biggest problem remained my energy intake.

I simply could not get enough in.

And I could feel it.

I increasingly felt bloated. I no longer really felt comfortable in my own body. The heat did the rest.

Water retention.

Heavy legs.

That feeling that your body somehow no longer completely belongs to you.

 

And still:

Keep going.

Because quitting was never an option.

At some point, that typical moment arrived.

You look at the clock.

And think:

“Okay. Surely it has to be almost over by now.”

Then you see:

Six more hours.

Six hours.

 

For many people, that would be an entire long weekend ride.

For me, in that moment, it was simply:

“Six hours of suffering.”

During long races, your mind starts doing strange things.

It no longer evaluates time logically.

One hour can feel like five minutes.

Or like half a day.

At some point, I stopped briefly at the side of the course again and asked for an update.

How does it look?

How far ahead is Kathi?

How far away is fourth place?

Patrick analyzed the situation.

And his answer was exactly what I needed to hear:

“If you simply keep riding like you are right now, it will be enough.”

Not faster.

Not more spectacular.

Just keep going.

 

Victory had become unrealistic by that point.

Theresa overtook me.

The eventual winner.

And she did not just overtake me.

She lapped me.

An entire lap ahead.

And that was the moment when I had to mentally put the first thing to rest.

Not out of frustration.

Not out of anger.

But out of respect.

You want to win because, on that day, you are the strongest.

And Theresa was strong that day.

Very strong.

 

Accepting that, however, does not mean it feels good.

Quite the opposite.

That was probably the hardest moment of the entire race.

Not physically.

Mentally.

I still had that tiny spark of hope:

Maybe second place is still possible.

Maybe I can keep Kathi behind me.

Maybe.

And then that spark of hope simply rode past me at around 60 km/h.

 

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